Erfolge für Forschendes Lernen mit digitalen Medien: Drei Filme des Geschwister-Scholl-Gymnasiums beim »3. Schulfilmfest NRW« gewürdigt

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Die beiden Film-Lehrenden Evelyn Futterknecht und Jürgen Lemke beim Schulfilmfest im Cinemax-Hamm mit ihren Schüler*innen – von links nach rechts: Editha König, Chantal Gawlita, Sanem Dilek, Marcel Grünagel, Johanna Runte, Felix Wehrmeyer, Leonard Samukele und Jonah Berendt

Selbstständiges Forschendes Lernen auch mit eigenen digitalen Medien: Hier ist das Geschwister-Scholl-Gymnasium Münster NRW-weit klasse! Seit Jahren schon werden an dieser Schule außergewöhnlich gute Filme mit Smartphones und IPods produziert, die immer wieder durch ihre ungewöhnlich frischen authentischen Inhalte überzeugen. Wie auch bei den letzten Festivals sind nun wieder Filme für das landesweite Filmfestival in Hamm nominiert worden. Dieses Jahr sogar drei von vier möglichen aus dem „Netzwerk Filmbildung Münster“: „Telefonieren im Unterricht“ von Johanna Runte und Sanem Dilek, „Nein zu Rassismus“ von Leonard Samukele, Jonah Berendt, Felix Wehrmeyer und Marcel Grünagel und „Tote Mädchen vergessen nie“ von Chantal Gawlita und Editha König.

Besonders gewürdigt wurde in Hamm der Film von Johanna Runte wegen ihres wunderbar vielseitigen Rollenspiels, das Publikum und Veranstalter gleichermaßen begeistert hat. Er soll nun als gelungenes Filmbeispiel sogar auf die Homepage von „Film+Schule NRW“ gestellt werden. Auch die gute Qualität, das hohe Engagement und der Einfallsreichtum bei den anderen beiden Filme wurde bei der Überreichung der Urkunden vor großem Publikum besonders lobend herausgestellt.

Diese Erfolge sind eine Bestätigung für die außergewöhnliche Filmarbeit am Geschwister-Scholl- Gymnasium Münster in der „Filmklasse“ für Schüler*innen von Klasse 5 bis 10 und bei den „SCHOLL.Projekten“ im Kunstunterricht. Schülerinnen und Schüler bekommen viel Zeit und Raum für ihr „Forschendes Lernen mit eigenen digitalen Medien (BYOD)“, um ihre Ideen künstlerisch filmisch zu verwirklichen. Wichtig für ein Gelingen ist dabei: die Lehrenden halten sich bewusst aus den eigenständigen kreativen Prozessen der Lernenden heraus und sind eher unterstützend beratend und moderierend tätig. Für diese Lehr-Einstellung braucht es viel Erfahrung, Optimismus, Durchhaltevermögen und Gelassenheit sowie auch die Zuversicht und das Wissen um gelingende selbstgestaltende Prozesse. Wenige Lehrkräfte haben hierfür den erforderlichen Mut und vor allem die dafür notwendigen Lehr-Voraussetzungen, erworben meist in außerschulischen künstlerisch kreativen Projekt-Kontexten. Wichtige Erkenntnis daraus: Die eigenen Ideen von Schüler*innen sind ein schützenswertes und intrinsisch zu beförderndes, für ihr lebenslanges Lernen, wichtiges Gut. Nur eine Individuelle Förderung, die dies berücksichtigt, kann herausragende und ungewöhnliche Ergebnisse außerhalb eines engen Erwartungshorizontes erzielen.

Umso unverständlicher, dass innovative Lehr-Formen und Methoden mit digitalen Medien für eine mehr schülerzentrierte offene und projektorientierte Arbeit in Schule immer noch wenig anerkannt, gewürdigt und gefördert werden, ja oft eher kritisch beäugt und mit dem Hinweis auf Lehrpläne diskreditiert werden. Die nun seit Jahren anhaltenden Erfolge am Geschwister-Scholl-Gymnasium durch eigenverantwortliches Forschendes Lernen mit digitalen Medien sowie durch eine performative selbstbestimmt forschende Projektarbeit im Kunstbereich machen deutlich, dass rückwärts gewandte Haltungen sich, anstatt im Dunkeln zu formieren, besser im Licht, einer konstruktiven Auseinandersetzung stellen sollten.

 

 

Erfolgreiche Nominierungen für Schülerfilme des Geschwister-Scholl-Gymnasiums beim “3. Schulfilmfest NRW 2016” in Hamm

Prof. Dr. Martin Epkenhans vom „Netzwerk Filmbildung Münster“ überbrachte heute die Nachricht, dass eine Auswahlkommission in zwei Kategorien die Filme ausgewählt hat, die auf dem landesweiten Filmfest in Hamm präsentiert werden. Jedes der Netzwerke in NRW durfte jeweils 2 Filme pro Kategorie für Hamm auswählen, davon sind drei Filme von Schülerinnen und Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Münster erstellt worden:

„Herzlichen Glückwunsch! Euer Film ist für das landesweite Schulfilmfest am 8. Juni, 10.00 Uhr im Cineplex in Hamm nominiert! Dort wird euer Film in festlichem Rahmen vor großem Publikum präsentiert. Nach der Vorführung aller nominierten Filme aus ganz NRW seid ihr zu Film-Workshops im Kino eingeladen. Filmschaffende werden ihre Arbeit vorstellen und euch für eure Fragen zur Verfügung stehen. Ende der Veranstaltung ist voraussichtlich gegen 15.00 Uhr. Die Teilnahme am landesweiten Schulfilmfest ist für euch selbstverständlich kostenlos.“

Folgende Filme aus dem Geschwister-Scholl-Gymnasium werden am 8. Juni ab 10 Uhr im Cineplex Hamm beim „3. SCHULFILMFEST NRW 2016“ gezeigt:

In der Kategorie 1. – 6. Klasse:

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„Telefonieren im Unterricht“, ein Film von Johanna Runte und Sanem Dilek, Klasse 6a.
Der Film zeigt in einem lustigen Rollenspiel zum Thema „Handy und Schule“, wie man eine Lehrerin so richtig auf die Palme bringt. Produziert wurde er in der „FILMKLASSE“ des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, Münster.

In der Kategorie 7. – 13. Klasse:

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„Nein zu Rassismus“, ein Film von Leonard Samukele, Klasse, 6a, Jonah Berendt, Klasse 6b, Felix Wehrmeyer und Marcel Grünagel, Klasse 7a
Der Film “Nein zu Rassismus“ handelt davon, wie Schüler durch ihr engagiertes und mutiges Eingreifen, Mobbing und Rassismus in der Schule verhindern. Er wurde ebenfalls in der „FILMKLASSE“ produziert.

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„Tote Mädchen vergessen nie“, ein Film von Chantal Gawlita und Editha König, Klasse 7a.
Der fröhliche Waldspaziergang zweier Freundinnen endet tragisch. Irgendwann tauchen dann unheimliche Erinnerungen auf – zwischen (Alb)Traum und Wirklichkeit. Der Film wurde im projektorientierten Kunstunterricht »SCHOLL.Projekte« bei Jürgen Lemke produziert.

ORTungen 2015: SCHOLL.Projekte – Ideen ins Zentrum

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Am Samstag, den 24.10. Um 15 Uhr wird auf dem Idenbrockplatz in Münster-Kinderhaus die Ausstellung SCHOLL.Projekte eröffnet.

Nach den erfolgreichen Ausstellungen 2011 und 2013 folgt nun im Jahr des 40 jährigen Schuljubiläums des Geschwister-Scholl-Gymnasiums „Scholl.Projekte 2015: Ideen ins Zentrum“.
Im Rahmen des Kunst- und Kult-Unterrichts haben sich Schülerinnen und Schüler aus den achten und neunten Klassen mit dem Thema Raum auseinandergesetzt und dabei auch vielfältige Ideen zu ihrem öffentlichen Nahraum Zentrum Kinderhaus entwickelt.
Wie erleben Jugendliche das Kinderhauser Zentrum und wie reagieren sie auf diesen schulnahen Ort mit ihren gestalterischen Ideen unter Aspekten von „Kunst im Öffentlichen Raum“? Wie können Lernende mit eigenen Ideen im schulischen Umfeld wirken und teilhaben? Ihren alltäglichen Umraum neu wahrnehmen lernen, sich als gestalterisch Handelnde erleben und somit „Raum“ auch als etwas Veränderbares begreifen.
Präsentiert werden unter anderem:

  • „Digitale Bild-Ideen zum Zentrum Kinderhaus“: in Schaufenstern rund um den Idenbrockplatz bis hin zum „Neuen Zentrum“ werden vielfältige und auch ungewöhnliche Ideen zur Veränderung des Zentrums Kinderhaus gezeigt. Foto-Collagen mittels digitaler Bildbearbeitung sowie auch Zitate der Geschwister Scholl, die den roten Ziegelstrukturen des Ortes eingeschrieben sind. Es geht hierbei nicht um das perfekte makellose digitale Bild sondern eher um skizzenhafte Entwürfe bei denen die Idee im Zentrum steht…
  • Aktion „Weiße Rose“: die weiße Rose, Symbol der Geschwister Scholl für ihren Widerstand im Nationalsozialismus, wird per Schablone und abwaschbarer weißer Kreide an geeigneten Stellen angebracht: Franziska Robering, Davina Wagner, Tajana Schmelzer.
  • ein Buchprojekt von Ruth Mehlich: „Leben, das Meines sein sollte“: der erste Roman im Schaufenster des Kinderhauser Bücherzentrums Bilke
  • ein Zentrums-Vergleich zwischen Frankreich und Deutschland von Lisa Hake und Momo Fernholz
  • eine Foto-Aktion und Banner – Portraitfotos von 10 MitschülerInnen mit “Migrationshintergrund” von Lilli Zorn zum Thema „Brücken bauen zwischen den Nationen“
  • eine Tatort-Installation von Sara Jane Temme und Johanna Lippmann
  • eine Aktion mit Ponys und weitere Überraschungen…

Zur Eröffnung am 24.10.2015 um 15 Uhr auf dem Idenbrockplatz, Münster-Kinderhaus, laden wir herzlich. Es sprechen Schulleiter Ralf Cyrus und Kunstlehrer Jürgen Lemke.

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Installation „Tatort im Zentrum“, Sara Temme, Johanna Lippmann
Ausstellungsbesucher*innen konnten anhand beschilderter Artefakte (Kreidezeichnung liegender Person, Scherben, Blutspritzer, Stiefel, etc) eine eigene Geschichte des Tathergangs entwickeln…

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Aktion „Finde das Zentrum“, Carolin Wedekind
Mit verbundenen Augen versuchten 4 Darstellerinnen vorsichtig tastend ihren Weg ins Zentrum zu finden  

Aktion „Halten Sie bitte mal mein Pony“,  Ellen Ontrup, Sophia Gogol, Antonia Hakenesch
Was passiert eigentlich mit ihrer Wahrnehmung, wenn Sie ganz überraschend ein Tier an der Leine haben?

„Digitale Bild-Ideen, Collagen zur Veränderung des Zentrums Kinderhaus“ ausgestellt in den Schaufenstern rund um den Idenbrockplatz:

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Kunstunterricht: Von eigenen Ideen beflügelt – begeistert Selbst-Lernen

Wie können im Kunstunterricht die eigenen Ideen von Schülerinnen und Schülern, ihre Bilder, Wünsche, Träume, ihre gestalterische Handschrift, ihre ästhetischen Vorstellungen stärker in die Welt kommen? Schule im Fach Kunst hat die Aufgabe, Bildkompetenzen zu entwickeln und eine gestalterische Persönlichkeit auszubilden… Lernpotenziale individuell unter heterogenen und inklusiven Bedingungen zu entfalten…
Warum ist ein schülerzentriertes differenziertes individualisiertes Lehren und Lernen wichtig? Wegen Leistungsmessung und Notenbewertung steht im Kunstunterricht an Gymnasien bei Aufgabenstellungen und Ergebnissen in der Regel noch eher die Gleichartigkeit von Ergebnissen im Vordergrund (Homogenität), nicht aber Individuelle Förderung und Heterogenität…

Alle Lehrenden sind seit 2011 auch im Fach Kunst aufgefordert, ihren Unterricht an den Neuen Bildungsstandards auszurichten

  • es erfolgte eine Umstellung der Lehrpläne in Richtung Kompetenzorientierung
  • von einer bisher eher „lehrerzentrierten Wissensvermittlung“ zu einem individualisierten, die unterschiedlichen Lernausgangslagen berücksichtigenden, mehr „schülerzentrierten selbstständigen Lernen“
  • vom „Wissen“ zum „Können“ (Output-Orientierung)
  • veränderte Rolle des Lehrers: vom Wissensvermittler, zum „Anbieter von Lerngelegenheiten“, Berater, Lernbegleiter, Moderator, …
  • erwartet wird eine Methodenvielfalt, um individuell zu fördern und zu fordern
  • Ziel des Kunstunterrichts ist es, Bildkompetenzen und eine gestalterische Persönlichkeit zu entwickeln
  • Kompetenzorientierung erfordert eine Ausrichtung des Unterrichts, die zum selbstgesteuerten, auf das Individuum ausgerichteten Lernen hinzielt. SuS müssen befähigt werden, lebenslang selbstgesteuert lernen zu können…

(s. KLP Kunst Sek. I Gymnasium 2011)

Die Abbildung zeigt im Rahmen der Ausstellung „Was mich bewegt – Bilder, Ideen, Wünsche und Träume von 13Jährigen“ für das „Internationale Theaterfestival HALBSTARK, Münster 2012“ Projektbeispiele von Schülerinnen und Schülern der 7. Klassen aus dem performativen projektorientierten Kunstunterricht von Jürgen Lemke am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Münster – Schulhalbjahr März bis Juli 2012:

Welche Vielfalt und Qualität entstehen kann, wenn auch eigene Ideen im Rahmen einer mehr selbstgesteuerten Projektarbeit entwickelt werden dürfen: im forschenden Selbstlern-Prozess über Brainstorming und Mindmap, Projekt-Steckbrief und Projekt-Lern-Tagebuch (Portfolio), hin zu Produkt-Präsentation und Reflexion…

Mein künstlerischer und kunstpädagogischer Ansatz: Ich bin als Bildender Künstler und Projektemacher mit meinem künstlerischen Konzept „ORTungen“ multimedial, interdisziplinär und realinszenierend forschend unterwegs. (http://ortungen.wordpress.com/impressum/) Mit einer interdisziplinären performativen Arbeit zwischen Kunst und Pädagogik versuche ich auch in der Schule, Lernende dort abzuholen, wo sie selbst stehen. Die Entwicklung ihrer eigenen Ideen, Potenziale und Kompetenzen zwischen medialer, theatraler und kunstbezogener Bildarbeit in einem heterogenen Lernfeld stehen dabei im Mittelpunkt meines projektorientierten performativen Kunstunterrichts. Hier darf parallel kreative Vielfalt in einem heterogenen forschenden Selbst-Lern-Umfeld wachsen, das neugierig hält und intrinsisch Lernen beschleunigen kann: ein multimedialer Werk-Raum in dem gleichzeitig ideenreich gezeichnet, gemalt, gebaut, fotografiert, collagiert, gefilmt, plastiziert und geformt wird.
Lernende können unter mehr intrinsisch motivierten Bedingungen eher begeistert und motiviert gleichzeitig in einem Raum mit unterschiedlichen Techniken an der Umsetzung eigener Ideen arbeiten. Ich öffne bewusst Räume für eine möglichst offene selbstgesteuerte forschende Arbeit insbesondere für Lernende, die an der Schwelle ihrer Veränderung zwischen Kind-Sein und Erwachsen-Werden stehen. Gerade Jugendliche im „Sturm und Drang-Alter“ brauchen eigene Räume zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Räume, die ihnen auch und gerade in Schule ermöglichen können, sich freier neugierig forschend und selbstentdeckend zu bewegen, um ihre eigenen Ideen zu entwickeln.
Ich begegne Lernenden mit einer offenen vertrauengebenden Grundhaltung, die ihnen Mut machen will, ihre Eigenverantwortlichkeit stärken möchte, sie zu einem mehr selbstbestimmten Handeln herausfordert und ihnen dabei auch notwendige Rahmenbedingungen für erforderliche Grenzkontakte gibt. „Leben ist fließen, an der Grenze formt sich Gestalt“. Die Herausforderung von Grenze, der Umgang mit Regeln und Kontrolle sowie das Risiko, deren Verlust zu wagen, sind wichtig für Lernende und Lehrende. Hier können im Kontakt Klarheit, Offenheit, Vertrauen, Verantwortung und Transparenz wachsen.
Ich nehme mit meinem kunstpädagogischen Konzept die neuen Bildungsstandards des Landes NRW und ihr Bestreben nach einer Öffnung von Schule für ein neues Lehren und Lernen durch ein erweitertes Lehrer- und Schüler-Rollenverständnis auch unter den neuen Anforderungen von Inklusion ernst: Lernende können in dieser speziellen Projektarbeit  ihrem Lern- und Entwicklungsstand entsprechend nachhaltig eigene Potenziale entwickeln und ausdrücken. Ich versuche, einen Kunstunterricht zu machen, der schülerzentriert, methodenoffen, individuell beratend, heterogen und inklusiv eigenverantwortliches Lernen von Schülerinnen und Schülern fördern kann. Die Übergangsphase zwischen Kind-Sein und Erwachsen-Werden, hin zur Pubertät, birgt Zwischen-Welten, die immer wieder geprägt sind von ständigen Widersprüchen, existenziellen Grenz-Erfahrungen, Tabubrüchen, Herausforderungen, Mutproben, erster Liebe, Gefühlsverwirrungen, großen inneren Bewegungen, Kontakt-Abrüchen, Verletzungen und auch Selbst-Verletzungen. Gefühlszuständen zwischen Himmel-Hoch-Jauchzend und Zu-Tode-Betrübt, Allein-Sein und Für-Immer-Zusammen-Sein, Selbst-Darstellungswünschen und Angst-Sich-Zu-Zeigen, Identitäts-Brüchen, Herausforderungen, Wagnissen, Auf- und Abs und Hin und Her…
Das verdient besondere Achtsamkeit, Wertschätzung und Raum für eigene Gestaltungen. Aus meinen bisherigen Lehr- und Lern-Erfahrungen aus Schule, Hochschule, Wirtschaft, Theater, Werkstatt Digitale Kunst und Atelier –  in Auseinandersetzung mit den Neuen Bildungsstandards für das Fach Kunst Sek I an Gymnasien habe ich ein Konzept für eine nachhaltige Entwicklung gestalterischer und organisatorischer Selbst-Lern-Kompetenzen im Kunstunterricht der Mittelstufe (7./8./9. Klasse) entwickelt:


Selbstgesteuerte kompetenzorientierte performative Ideen- und Projektentwicklung als integratives Unterrichtsvorhaben im Kunstunterricht

Wichtig als Ausgangspunkt für eine eigenständige Ideenentwicklung hin zu einem präsentablen Produkt  ist eine offene Aufgabenstellung innerhalb eines definierten Zeitrahmens: „Du darfst Deine Idee frei gestalten, das verwirklichen, was Du immer schon in Kunst machen willst. In einer Technik deiner Wahl… Allein oder zusammen mit Anderen… Du hast dafür zwei Monate Zeit…“

Schülerinnen und Schüler können 

  1. die eigene Idee entwickeln mit Hilfe von angeleiteten Methoden wie „Phantasiereise“,  „Brainstorming“ und „Mindmapping“ (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: ÜP1, ÜP2, ÜP3)
  2. die eigene Idee formulieren, präzisieren und strukturieren lernen mithilfe der Methode: „PROJEKT-STECKBRIEF“ und hierbei auch lernen, unterschiedliche Schriften und Schriftschnitte, eine Skizze sowie das Layout einer Seite zu gestalten. Einzelne Fragen zur Idee helfen bei der Strukturierung: Was? Wer? Wo? Womit? Wie lange? Für wen? (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: ÜR3, FoP1, StP1, StP3, P/S-P2, P/S-P3)
  3. ihre Idee aus unterschiedlichen Perspektiven visualisieren und planen sowie in eine zeitliche Bildabfolge übersetzen. Anhand der Erstellung eines „STORYBOARDs“ lernen sie, ihre Idee von verschiedenen Seiten aus anzuschauen, vorzustellen, zu zeichnen und darzustellen. Und beachten dabei auch Merkmale von Räumlichkeit, Überdeckung, Staffelung, Höhenlage sowie Vogel-, Normal-, Froschperspektive und auch Kameraeinstellungen von Totale bis Detail (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: FoP1, FoP2, FoP4, FoP5, StP1, StP3, )
  4. ihre Idee recherchieren: Welche Künstler und Gestalter haben in dieser Technik oder mit diesem Material schon gearbeitet? Wie geht das genau? Hierzu wird für die spätere Präsentation und Vermittlung an die anderen Lernenden im Internet Material gesammelt. Hierbei darf sich die Idee auch noch verändern. (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: ÜP1, ÜP3, ÜR3, P/S-P1)
  5. ihre Idee produzieren: Entscheiden ob allein oder im Team: die eigene Idee kommunizieren, verhandeln, durchsetzen oder Kompromisse finden –  sich mit der notwendigen gestalterischen Technik und Methode mit Unterstützung des Lehrenden (Koordinator, Berater, Moderator, Vermittler, Streitschlichter, …) vertraut machen (Malen, Zeichnen, Bauen, Plastizieren und medienkompetent durch selbstständigen Einsatz von Videokamera, Smartphone, App…s, etc im heterogenen Lernumfeld und Netzwerk (LOL) (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: ÜP1, ÜP3, ÜR3, StP2, P/S-P1… weitere hierbei erlernbare Kompetenzen sind leider im Lehrplan noch nicht enthalten )
  6. ihre ZEIT selbstverantwortlich und mit anderen planen: Absprachen treffen, Verabredungen einhalten, Arbeitsziele und Termine setzen, etc (Teamfähigkeiten) (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: Diese Kompetenzen sind leider im Lehrplan noch nicht enthalten)
  7. ihr MATERIAL eigenständig besorgen und darüber ihre Selbstverantwortlichkeit erproben und stärken – nachhaltig Medienkompetenz lernen mit eigenen Medien nach dem BYOD Prinzip (Bring Your Own Device): Eigene mobile digitale Geräte, wie Smartphone, Kamera, Laptop, Tablet, IPod, etc mitbringen dürfen und nutzen (Mobiles Digitales Lernen, Medienprodukt erstellen, Medienpass NRW Bezug) (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: MaP1, MaP2, MaP3 … weitere hierbei erlernbare Kompetenzen sind leider im Lehrplan noch nicht explizit enthalten)
  8. ihre LERN-ORTE frei wählen und erweitern: Ideenbezogene Umsetzungen an anderen Orten erlauben, auch schulunabhängiges Lernen und Forschen ermöglichen, ob zuhause oder im Umfeld – mit einem Erlaubnisschreiben der Eltern (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: Diese Kompetenzen sind im Lehrplan nicht enthalten)
  9. ihre gestalterische ARBEIT – Einzeln, zu Zweit oder im Team – planen und selbst organisieren: Wer kann was? Fähigkeiten sondieren, Verantwortlichkeiten delegieren, Absprachen einhalten, Konflikte lösen (Soziale Kompetenzen, Kooperieren lernen) (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: Kompetenzen sind leider im Lehrplan nicht explizit enthalten)
  10. ihre Ideen- und Projektentwicklung und ihre Lernfortschritte in einem PROJEKT-LERN-TAGEBUCH per Foto, Skizze, Text anhand vorgegebener Kriterien auch fachsprachlich reflektieren und dokumentieren: Was habe ich gemacht? Was habe ich gelernt?Welches bildnerische Verfahren/Genre habe(n) ich/wir beim Projekt eingesetzt? („Bild“ oder auch „Bildwerk“ kann stehen für: Zeichnung, Malerei, Plastik, Skulptur, Objekt, Installation, Fotografie, Collage, Frottage, Druckverfahren, Film/Video, Tanz/Performance, Aktion, Animation, Soziale Plastik, Anderes… ) Bitte beschreibe… Welche „bildnerischen und gestalterischen Mittel“ habe ich eingesetzt und wie? (Punkt, Linie, Fläche, Formen, Farbe, Kontraste, Material, Räumlichkeit, Licht/Schatten, Schraffur, Bild-Komposition, Musik, Ton, Sprache, Geräusch, Bildschnitt, Effekte, Kameraeinstellungen, …?)   Welche Gestaltungsformen wirken dabei spannend, dynamisch oder ruhig, ausgeglichen – oder auch neu, überraschend, abwechslungsreich, rhythmisch, überladen, kontrastreich: Groß-klein, viel-wenig, kurz-lang, rund-spitz, … Wie bin ich im Projekt mit dem Thema „Raum“ bzw „Bildraum“ umgegangen? Wie habe ich den Raum inszeniert? Bei der Motivauswahl/Inszenierung Vorder-, Mittel- und Hintergrund beachtet? Bewusst gestaltet…? Kameraeinstellungen Detail bis Totale genutzt? Raumdarstellung (Vorder-, Mittel-, Hinter-grund, Überschneidung (davor, dahinter), Staffelung, Verkleinerung, Höhenlage (oben, unten), Flächenorganisation, vorn, hinten, kleiner, größer,…Was möchte ich mit meinem „Bild“ ausdrücken/sagen? Gibt es eine künstlerisch gestalterische Strategie oder Absicht (für mein/unser Projekt)? Welche Wirkungen sollen bei einem Betrachter ausgelöst werden? (Gefühle, Irritationen, Schock, ein „ästhetisches“ Empfinden – Soll ein „Bild“gefallen oder irritieren…?) Beschreibe…Was habe ich wann, wie und womit gemacht? Was habe ich dabei erfahren, entdeckt, erforscht und gelernt? Wie bewerte ich meine eigene Arbeit, wie die der Anderen aus meiner Gruppe? (Reflexion, Leistungsnachweis und Bewertung) (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: ÜR1, ÜR2, ÜR3, FoR1, FoR2, FoR3, FoR4, FoR5, FoR6, MaR1, MaR2, MaR3, FaR2, StR2, StR3, P/S-R1, P/S-R2, P/S-R3, P/S-R4, P/S-R5)
  11. ihr Projekt präsentieren: – hierbei Kompetenzen für Vortragspräsenz (Sprache, Auftreten, Körpersprache, Haltung Mimik, Gestik…) und Medienkompetenz erwerben durch selbstständiges Erarbeiten von Powerpoint, Keynote oder OpenOffice Präsentation (Foto, Film, Bild, Video, Montage, Bildbearbeitung – Kompetenzen…) (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: StP3, StR2, StR3 … weitere hier  hierbei erlernbare Kompetenzen sind leider im Lehrplan noch nicht explizit enthalten)
    – ein Werbe-Plakat erstellen (Lehrplanbezug KunstNRW SEK!: Figur-Grund Beziehung, Bild/Schrift,  Bildbeschreibung – Kompetenzen) (Lehrplanbezug Kunst SEKI NRW: FoP4)
  12. ihr Projekt reflektieren und selbst bewerten (Leistungsbewertung auch durch PROJEKT-LERN-TAGEBUCH, Portfolio)

Beispiel: ORTungen 2012: Scholl.Projekte reflektiert: Im Rahmen der beim „Theaterfestival HALBSTARK 2012“ im Theater Münster ausgestellten Dokumentation „WAS MICH BEWEGT …“

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… auf welch vielfältige Ideen „Halbstarke“ kommen, wenn sie in der Schule auch tun dürfen, was sie selbst wollen und ihre darstellerischen und gestalterischen Potenziale entfalten dürfen: Heranwachsende im „halbstarken“ Alter brauchen mehr Raum und Zeit,
• um ihr eigenes Ding zu machen
• an ihren Ideen neugierig zu forschen
• sich selbst aufzuführen und zu inszenieren
• nachhaltig mit eigenen digitalen Medien zu experimentieren („BYOD Methode: Bring Your Own Device“)
• ihre „Ästhetik“, ihre gestalterische Handschrift zu entwickeln und auszudrücken
• sich in unterschiedlichen Rollen durch Improvisieren auszuprobieren und zu erfahren
• Identität an unterschiedlichen inneren und äußeren Selbst-Bildern zu erforschen
• Grenzen zu erkunden – auch durch teils provozierende ästhetische Aktionen
• um intrinsisch – von Innen heraus – motiviert, begeistert eigene Ideen zu entwickeln … Was eigeninitiativ gelernt wird, wirkt nachhaltig und ist nicht so schnell vergessen!
• es braucht in Schule selbstlernende Lehrende, die Lernende in ihrem Selbstlernprozess offen und neugierig begleiten – sie auch lassen können und eher beratend, begleitend, moderierend, coachend, fördernd unterwegs sind und nicht alles von „vorne bis hinten“ für sie regeln.

Machen wir Schule für eine innovative lebendige begeisterte performative Selbstlern-Kultur! Ideen-Vielfalt und Qualität sprengen den Erwartungshorizont. Wir brauchen in unserer Gesellschaft Menschen, die neugierig sind und es bleiben. Die auf eigene Ideen kommen und diese begeistert allein oder zusammen mit anderen in die Welt bringen. Wir sind eigentlich ein Land der Erfinder und nicht der Kopierer… Neue Bildungsstandards – die Kompetenzen erweitern und nicht verengen sollen – ermöglichen eine andere Lehr- und Lernkultur auch im Fach Kunst: vom Wissen zum Können, vom lehrerzentrierten eher instruierenden Lernen hin zu einem schülerzentrierten Selbst-Lernen. Durch individuelle Förderung kann ein „heterogenes Lernen“ wachsen: jeder kann individuell mit seinen Fähigkeiten gesehen, gewertschätzt, anerkannt und darin gefördert und herausgefordert werden. Kompetenzen sollen vermittelt werden, die eine gestalterische Persönlichkeit und eine ästhetische Grundausbildung im Fach Kunst bilden. Wie das aber am besten gelehrt und gelernt wird, dazu können und sollen nun Lehrende methodenreiche Unterrichtsvorhaben entwickeln. Sie dürfen nun sogar selbstständig, laut „Implementationsunterlagen im Fach Kunst SEK1 NRW“,  „neue Kompetenzen“ definieren… Intendiert von den Bildungsverantwortlichen ist im Kunstunterricht kein  homogenisierendes und standardisierendes Kompetenzen-Abarbeiten sondern eher ein lebendiges nachhaltiges selbst konstruierendes Lernen durch vielfältige forschende selbstentdeckende Erfahrungen in intelligenten schülerzentrierten Unterrichts-Vorhaben…
•  mehr Zeit und Raum für die eigene Idee
•  erzeugt eine höhere Ideen-Vielfalt statt Homogenität
•  Lernende können dort abgeholt werden, wo sie mit ihren Interessen stehen
•  in einem heterogenen Selbst-Lernfeld umgeben von faszinierender unterschiedlicher Vielfalt kann neugierig und begeistert – mehr Lern-Inhalt, schneller und auch nachhaltiger – gelernt werden:
die „Herausgeforderten“ können und dürfen eigenverantwortlich mit ihren Ideen hoch hinaus fliegen und für die zu „Fördernden“ bleibt dadurch mehr Zeit für eine gezielte Beratung …

was mich bewegt

FAZIT: Es ist sinnhaft und nachvollziehbar aber zugleich immer noch höchste Herausforderung in Schule:
Raum geben für ein mehr SELBSTGESTEUERTES PERFORMATIVES PROJEKTLERNEN bedeutet Vertrauen lernen und zugleich auch ein Stück Kontrolle aufgeben.
Das, was in Schule üblicherweise eher herunter geregelt wird: „neugierig sein dürfen, selbst anfassen und begreifen, sich freier bewegen dürfen, laufen, selber machen und entscheiden“ ist zugleich auch Bedingung für ein ANDERES LERNEN. Es scheint für viele Lehrende immer noch schwer vorstellbar: „Dass Schüler auch mal tun dürfen, was sie selbst wollen.“ Schule überfordert Lernende mit einer überbordenden kognitiven Wissensmasse und einem homogenen Lernverständnis (alle müssen das Gleiche in der gleichen Zeit lernen, wissen und können) und einer darauf ausgerichteten Leistungsabfrage („Bullimie-Lernen“) und einer ständigen Ruhigstellung dessen, was für Lernen Voraussetzung ist: neugierig und lebendig sein… Schule unterfordert Lernende in ihren lebendigen spielerischen Ideen, Fähigkeiten und in ihrer Kreativität. Schule fördert zu wenig das, was für Lernen Bedingung ist: die begeisterte forschende neugierige Eigenbewegung… Alle Menschen wollen Selbst-Lernen… Dazu sind wir auf der Welt.

„Was mich bewegt“, Dokumentation zu Performative Projektarbeit der 7. Klassen im Kunstunterricht v. Jürgen Lemke, Geschwister-Scholl-Gymnasium, Münster. Im Foyer des „Theater Münster“ beim Internationalen Theaterfestival „Halbstark“, 2012