SCHOLL.Projekte – Medienpädagogik-Vortrag an der Fachhochschule Münster

Jürgen Lemke, Prof. Edgar Wilhelm, Prof. Bernward Hoffmann und Studierende

Im Rahmen des Seminars „Medienpädagogik in der Sozialen Arbeit“ von Prof Edgar Wilhelm an der Fachhochschule Münster stellte Jürgen Lemke, Bildender Künstler und Kunstpädagoge, am 9.6.2011 seine Medienarbeit im Kunstunterricht anhand von Video-Beispielen vor.

Jürgen Lemke entwickelt mit Schülerinnen und Schülern am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Münster-Kinderhaus das Ausstellungsprojekt „Ortungen 2011: SCHOLL.Projekte – Schule ins Zentrum“, das am 19.6.2011  eröffnet wurde. Hier gab es unter anderem zahlreiche thematisch orientierte Videoexperimente zwischen Schule und Zentrum Kinderhaus zu sehen, von denen einige in der Vorlesung beispielhaft vorgestellt wurden.

Als ein Schwerpunkt lässt Jürgen Lemke, Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer experimentellen Projektarbeit im Kunstunterricht eigene filmische Ideen mit Medien entwickeln. Angesichts der Dominanz einer visuellen Kultur, ist es wichtig in Auseinandersetzung mit digital produzierten Bildern in der Schule zu lernen, selbst aktiv gestaltend mit Medien umzugehen, um in eigener praktischer Erfahrung zu begreifen, wie Bilder gemacht werden. Lernen geschieht effektiver, wenn wir selbst machen, indem wir bewegte Bilder wahrnehmen, ausprobieren, improvisieren, experimentieren, verändern, korrigieren und auch selbst manipulieren…

Die Entwicklung und Realisierung eigener Ideen von Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer möglichst freien Projektarbeit mit Medien im Kunstunterricht steht dabei im Vordergrund. Dafür soll der interne Lehrplan des Fachs Kunst für die Mittelstufe am Geschwister-Scholl-Gymnasium zukünftig stärker projektbezogen ausgerichtet werden. Eigenverantwortliches forschendes und entdeckendes Lernen mit und ohne Medien rückt ins Zentrum. Eine grundlegende Änderung von Lehre und Lernen in Richtung größerer Selbststeuerung ist eine wesentliche Zielsetzung der neuen kompetenzorientierten Bildungsstandards an den Schulen, die nun auch im Fach Kunst im Gymnasium umgesetzt werden sollen.

Jürgen Lemke sagt über seinen medienorientierten Projektansatz im Rahmen von Individueller Förderung: „Ich möchte, dass Schülerinnen und Schüler ihre eigene filmischen Ideen entwickeln. Sie sind dann viel begeisterter und motivierter bei der Sache. Außerdem sind die Ergebnisse ungewöhnlicher – oft sogar herausragend – und damit auch für mich qualitativ spannender. Die Schüler sind viel näher an ihrer eigenen Wahrnehmung und an der Lebenswirklichkeit – im Hier und Jetzt. Außerdem sollen sie möglichst auch ihre eigenen Medien, wie Ipods oder auch Smartphones, benutzen lernen. Das gehört zu einem nachhaltigen Lernprozess dazu. Ihre Medien können sie jederzeit unabhängig von Schule für die Umsetzung eigener Ideen nutzen. Ein wichtiger Schritt vom passivem Konsum zur aktiven Eigenproduktion. Es bringt zudem jede Menge Bestätigung, wenn Anfragen an ihre Medienkompetenz kommen. Einige meiner Schüler sind, wenn es um das Erstellen von Videoproduktionen geht, in der Schule inzwischen mit ihrem Fachwissen gefragt. Ich möchte generell, dass Jugendliche in der Schule mehr zu sich selbst kommen können. Gute Ideen entstehen nur unter guten Bedingungen: Schüler brauchen mehr Freiheit bei der Wahl des Lern-Raums. Ich akquiriere zusätzlich verfügbare Räume für die Projektgruppen.

Schüler brauchen mehr Zeit für die Entwicklung und Umsetzung eigener Ideen. Sie müssen den Umgang damit lernen weil sie es nicht gewohnt sind, in Schule mit Freiräumen selbstverantwortlich umzugehen. Nur so können sie allmählich anfangen zu begreifen, dass ihre Ideen wichtig und auch gefragt sind. Dass sie von sich selbst aus, etwas auf die Beine stellen können. Ich versuche über die Sache selbst zu motivieren. Es geht im Leben darum, neugierig und lebendig weiter zu lernen und dabei zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist. Dies sollte Schule individuell fördernd unterstützen.

Als Lehrer muss ich lernen, mich in diesem etwas anderen Lehr- und Lern-Prozess selbst mehr zurückzunehmen. Ich kann und darf hierbei nicht alles von vorn instruktiv vermitteln, regeln und kontrollieren. Es geht ja darum, Räume und Möglichkeiten für das Eigene zu öffnen, dazu muss ich als Lehrer immer wieder lernen loszulassen, gelassen zu bleiben und Schülern das Vertrauen geben, dass sie es selbst schaffen können. Ständige Bevormundungen und Regelungen unterbrechen und behindern Prozesse hin zu einer größeren Selbstständigkeit. Meine Aufgabe als Lehrer, Moderator, Coach und Lernbegleiter bei der Individuellen Förderung ist es, Lernende in ihrem Lernprozess wahrzunehmen, zu begleiten, zu beraten, zu fördern und sie dabei zu unterstützen ihr Ding zu machen. Ich selbst muss lernen, Schüler loszulassen, die mit ihrer eigenen Idee brennen und diejenigen versuchen zu motivieren, die Schwierigkeiten dabei haben, eigene Ideen und Vorstellungen zu entwickeln… Es geht darum, einen höchst diffizilen Weg zu beschreiten, hin zu einer im Gymnasium dringlichst erforderlichen Öffnung. Es geht letztlich um die Entwicklung und Implementierung einer neuen Bildungskultur im Ganztag: Räume müssen verändert werden, interne und externe Lernorte müssen wählbar werden. Lehr- und Lernhaltungen müssen insgesamt freier werden …

Bei einer projektorientierten Arbeit können Schlüsselkompetenzen gelernt werden, die im Leben wichtig sind. Um ein Projekt durchzuführen, müssen Lernende eigenverantwortlich im Team planen, kooperieren und miteinander kommunizieren. Arbeiten untereinander verantwortlich aufteilen, delegieren, konstruktiv miteinander um die besten Lösungen streiten.

Individuell fördern lernen in heterogenen Lerngruppen, in einem in der Regel noch etwas reformresistenten Gymnasium, dass ist für sich genommen schon eine Kunst.“

Siehe auch unter: Scholl.Projekte Vortrag Fachhochschule Münster

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